Nähen mit Kindern, Nähen und Co.

Durch Nähen die mathematisch-logische Intelligenz von Kindern fördern.

Kinder, Kinder!

Erinnert ihr euch noch an den Matheunterricht? Es gibt da ja Könner und – naja, nennen wir es: Versucher 😉

Ich gehöre zur letzteren Sorte. Wenn man mir aufgeklappte geometrische Figuren vorgelegt hat und ich bestimmen sollte, bei welchem Körper es sich im zusammengefalteten Zustand um einen Würfel handeln würde, war ich hoffnungslos verloren. So sehr ich mich auch bemühte, gelang es mir einfach nicht, um die Ecke zu denken und mir etwas räumlich vorzustellen. Mit der Zeit hat mein Gehirn dann auswendig gelernt, bei welcher Figur es sich um welchen Körper handeln könnte. Aber von wirklichem Begreifen konnte keine Rede sein.

Geändert hat sich dies durch das Nähen! Jeder, der näht, nickt jetzt, allen anderen schwebt sicher ein Fragezeichen über dem Kopf. Warum?

Das Nähen wie man es sich meist vorstellt, also das Arbeiten an der Nähmaschine, macht im Grunde den kleinsten Teil der Arbeit aus. Der Nähprozess beginnt erst einmal im Kopf. Dort lege ich schon einmal gedanklich meine Stoffteile in der richtigen Größe zurecht. Ich überlege, in welcher Reihenfolge ich welches Stoffteil wo fest nähe und wo ich wieviel Nahtzugabe einrechnen muss.

Wenn ihr mit Kindern näht, beginnt die mathematische Reise schon damit, dass ihr ein Maßband benutzt. Kleinere Kinder lernen zählen, etwas größere begreifen praktisch, was Entfernungen sind und noch später kommt das Schätzen der Länge einer Strecke hinzu.

Arbeitet ihr mit Schnittmustern, wird das abstrakte Denken gefördert. Wie sieht eine Hose aus, wenn ich sie aufklappe? Aus wie vielen Teilen besteht sie? Wie muss ich die Teile zusammensetzen, damit sie auch wirklich eine Hose ergeben?

Die Schnittteile zusammenzulegen ist für Kinder wie ein Puzzle. Wenn ihr nichts vorgebt und eure Kinder ausprobieren lasst, werden sie eine ganze Weile damit zu tun haben, die Schnittteile an die richtige Stelle zu legen. Zumal hier noch hinzukommt, dass man die einzelnen Stücke auch noch wenden kann.

Stoff zu schneiden schult nicht nur die Feinmotorik eurer Zappelfüße, sondern  erfordert auch, mit Bedacht vorzugehen. Einen Schnitt zuviel und euch fehlt ein Stück Stoff am nächsten Schnittteil. Dann geht euer ganzes Konzept nicht auf…

Geometrische Figuren kennen lernen, gehört auf jeden Fall zum Nähen dazu. Ich habe mich immer gefragt, wann mir in meinem Berufsleben mal ein Trapez über den Weg läuft und ich irgend etwas daran herum rechnen muss. Tja. Und dann habe ich eine trapezförmige Waschtasche genäht. Oder die Kreisformel. Wann sollte ich die denn mal brauchen, bittschön!? Zum Beispiel, als mich mein Kind bat, einen Tellerrock zu nähen. Und es gibt unzählige weitere Beispiele.

Da so ziemlich alle Nähprojekte auf der Innenseite zusammengenäht werden, muss man eine Vorstellung davon haben, wie das Werkstück umgedreht aussehen wird. Oder aussehen soll 😉 Dieses abstrakte „um die Ecke denken“ ist anfangs eine große Herausforderung. Nicht nur für Kinder.

Eine Reihenfolge der Arbeitsschritte zu erstellen bringt nicht nur Struktur in das Nähprojekt. Diese Form der Organisation lässt sich auch gut auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Es fängt an beim Zusammenlegen der frisch gewaschenen Sachen und das Einsortieren in den Kleiderschrank und geht weiter bis zur Hefter- und Ranzenordnung.

Praktisches Arbeiten verfestigt Gelerntes. Nähen ist natürlich kein Wundermittel für Mathemuffel. Und ihr dürft jetzt nicht erwarten, dass eure Kinder Mathe plötzlich lieben werden 🙂   Es gibt aber einfach Kinder, die nicht viel mit einem Unterrichtsfach anfangen können, wenn sie es nicht praktisch anwenden können. Hierbei kann das Nähen eine gute Unterstützung sein.

Kinder, die Mathematik lieben und besonders auch Kinder, die Ordnung und Struktur mögen (Ja, die gibt es auch! 🙂 ), sind an der Nähmaschine und vor allem in allen vorbereitenden Arbeiten sehr gut aufgehoben. Da lernt das Mathe-Genie, die Schere richtig zu halten, der Zappelfuß, einmal innezuhalten und das schüchterne Mäuschen, dass es viel bewirken kann ohne auf andere angewiesen zu sein

Nähen schafft Erfolgserlebnisse.

Nähen schafft gemeinsame Zeit.

Und die ist viel wichtiger als gute Noten!

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